• S.

    PROF. DR. FREUD

    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    6. 1. 13

    Liebster Dr Brill

    Welch schöne Überraschung zu Jahresbeginn!
    Ihre Arbeiten gesammelt u mir gewidmet,
    das macht mir einen frohen Tag. Ich danke
    Ihnen herzlich. Endlich bleibt ja doch
    nichts von mir übrig als die Einwirk-
    ung auf ein paar hervorragende
    Arbeiter.

    Von Eder, der jetzt hier ist, erfuhr ich, daß
    die Übersetzg der Traumdeutung
    Ende Januar das Licht der Welt er-
    blicken wird. Ein Schritt weiter.

    Von hier wenig Erfreuliches. Ich habe
    viel Ärger mit meinen einstigen
    „Anhängern". Stekel benimmt sich wie
    ein Schwein, – jetzt, wo er den Halt
    verloren hat, werden wir erst erfahren,
    wessen er fähig ist. Mit Jung habe
    ich unlängst den persönlichen Verkehr
    abbrechen müßen, er ist ganz närrisch
    u unerträglich. Die objektiven Be-
    ziehungen halte ich sorgfältig auf-
    recht. Vielleicht läßt sich die Arbeits-
    gemeinschaft noch einige Jahre durch-
    führen.

  • S.

    Mit der neuen Zeitsch. verspricht es sehr
    gut zu gehen. Wir rechnen natürlich
    auch auf Beiträge von den Ihrigen
    u von - Ihnen u wollen selbst manches
    unübersetzt abdrucken. Wir haben die
    erste Num̄er gewiss noch im Januar.

    Mein nächstes Stück Arbeit wird
    die dritte der Übereinstim̄ungen in
    der Imago sein: Animismus, Magie
    u Allmacht der Gedanken.

    Vorher erhalten Sie noch unsere Hoch-
    zeitsanzeige. Heute in 3 Wochen ist
    auch das vorüber.

    Ich bin nun stark in Ihrer Schuld.
    Hoffentlich sehen wir einander
    im Sept. und Joy hat bis dahin
    schon greifbare Wünsche.

    Mit herzlichem Gruß
    Ihr getreuer
    Freud