• S.

    PROF. DR. FREUD

    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    19. 4. 14

    My dear Brill

    Dont be a fool and dont suffer yourself
    to sink into despair. Jung ist ein schlechter
    Kerl, aber er wird nur sich ruiniren
    nicht die ΨA. Was er über mich sagt, ist
    ziemlich gleichgiltig. In dem nächsten
    Aufsatz von mir im neuen Jahrbuch
    werden Sie sehen, wie ich ihn behandle.

    Seine „Modifikationen“ mögen für
    eine Weile Aufsehen machen in
    Amerika, aber kein ernsthafter
    Mensch wird dabei bleiben. Lassen
    Sie Jung Zeit u er wird sich selbst
    ad absurdum führen. Unterdeß
    sammeln Sie Bundesgenossen u be-
    kämpfen ihn energisch auf Ihrem
    Boden, wie wir hier in Europa.

    Ich habe oft bedauert, daß Sie so
    weit von uns sind. Ihnen gebührt ja
    ein Platz unter meinen Intimsten
    die mir allmälich die Arbeit abnehmen.
    Unterdeß wirken Sie durch die
    Übersetzungen, von deren Fortgang
    ich mit Vergnügen gehört habe.

  • S.

    Die Trdeutung wird jetzt zum vierten
    Mal gedruckt, es geht aber sehr langsam.

    Gestern erhielt ich den Besuch eines
    Dr Garoin von der Ward’s Island Gruppe,
    der Sie sehr schätzt. Vorgestern Separat-
    abdrucke von Tannenbaum, die die
    ΨA sehr energisch verteidigen.

    Unsere Som̄erpläne sind noch sehr un-
    bestimmt. Das Ende am ehesten: in der
    letzten Sept. woche ein Vortrag in Leiden,
    Aufenthalt in Hambg bei meinem
    Enkel u vielleicht ein Sprung nach
    England, wo meine kleine Tochter sein
    wird. Vorher muß ich irgendwo ruhig
    sitzen u arbeiten, vor allem an
    dem Aufsatz für das neue Handbuch
    von Kraus (Berlin).

    Ich grüße Sie herzlich, bitte
    Sie an Ihre liebe Frau u das gewiß
    schon glänzend entwickelte Töchter-
    chen (das noch immer auf etwas zu warten
    hat) meine schönsten Grüße zu bestellen.
    Ihr
    Freud