• S.

    PROF. DR. FREUD

    WIEN IX., BERGGASSE 19

    6. 4. 1930

    Dear Brill

    Dank für alles, was Sie
    berichten und was Sie
    thun. Ich kann Ihnen nicht
    sagen, wie sehr ich mich
    über Ihre Annäherung
    freue, wieviel besser
    alles seitdem in unseren
    Beziehungen zu Amerika
    geht und wie froh ich
    persönlich darüber bin.

    Nun, was die überrasch-
    ende Neuigkeit von
    Gioja’s Verlobung betrifft,
    so beschäftigt sie meine
    Gedanken in mehr a
    ls einer Hinsicht. Erstens
    ich habe meine Pflicht
    als Pathe gegen sie
    nie erfüllen können,
    und wäre sehr zufrieden,
    wenn Sie u Mrs Brill
    mir einen Weg zeigen
    könnten, wie ich von
    hier aus meinen Anteil 

  • S.

    an der nahe bevorstehenden
    Hochzeitsfeier nehmen könnte.
    (Aber ich bitte um baldigen
    Bescheid.) Zweitens ich bin
    genau so wie Sie beide
    von der Idee einer
    Heirat zwischen zwei
    gleichaltrigen Kindern
    befremdet, aber wer
    fragt nach uns alten
    Leuten. Die Jugend sucht
    sich neue Wege.

    Endlich hoffe ich mit Ihnen,
    daß es gut ausgehen
    und zur Steigerung Ihres
    Glücks beitragen wird.

    In Erwartung Ihrer Antwort

    Herzlich
    Ihr
    Freud