S.

PROF. DR. FREUD

WIEN IX., BERGGASSE 19.

20 Maresfield Gardens  NW 3
18. X. 1938

Dear Brill

Sie werden gehört haben, daß ich wieder
eine Operation überstanden habe.
Sie war infolge technischer Schwierig-
keiten eingreifender als die letzten,
ergab aber nichts anderes, verdächtige
als praecarcinomatös bezeichnete Stellen,
die in berechtigter Vorsicht zu ent-
fernen waren. Die unmittelbaren
Wirkungen des Eingriffs sind noch
nicht ganz überwunden, auch werden
Änderungen an der Prothese not-
wendig sein.

Eine andere Folge der Operation mag
sein, daß ich in der Öffentlichkeit hier als
kranker Mann gelte und keine
Patienten zu mir kom̄en. Ich arbeite
an zwei Fällen, die ich von Wien mit-
gebracht habe. Durch die Konfiskation,
die Übersiedlung und den hier unver-
meidlichen Hauskauf sind meine
Reserven sehr in Anspruch genom̄en
worden. Im Vergleich mit dem
Schicksal anderer refugees muss man
aber noch zufrieden sein.

Unter den in N York Eingewanderten
ist einer, Dr Jekels, mit dem mich
alte Freundschaft verbindet. Ich wäre
froh zu hören, daß Sie sich seiner
angenom̄en und ihm Beschäftigung
und Erwerb verschafft haben.

Ich hoffe bald von Ihnen zu erfahren,
daß es Ihnen mit Frau u Kindern
sehr gut geht. Mit herzlichem Gruß
Ihr
Freud