Freud, Sigmund – Brill, Abraham (08.11.1908)

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  1. PROF. DR. FREUD

    WIEN, IX. BERGGASSE 19.

    8. XI. 08

    Dear Dr Brill

    Schönsten Dank für Ihren Brief u Auskünfte,
    wie für alle Ihre Bemühungen in unserer Sache. Mit
    Parker ist es nun nicht leicht. Wenn diese Publikation
    das Sexuelle wirklich prinzipiell ausschließt, so ist
    es für uns unmöglich, an ihr theilzunehmen. Das gienge
    gegen den wissenschaftlichen Ernst. Auf meinen letzten
    Brief, in dem ich bat, Ihnen die Übersetzg zu über-
    tragen, habe ich noch keine Antwort. Sie können sehr
    wol für mich sprechen. Die Abhandlg die ich schreibe:
    Allgem. Methodik der ΨA, wird übrigens für die
    Sammlung wenig geeignet sein; sie setzt die Kenntnis von
    alledem, was in den „Studien“ enthalten ist,
    voraus, wird wahrscheinlich unsere Anhänger sehr
    interessiren, aber kaum Fremde; sie eignet
    sich nicht zur Einführung; ich kann aber niemand
    zu Liebe Dinge, die ich so oft behandelt habe, noch
    einmal schreiben. Im Ganzen, besonders da die
    Arbeit unmöglich zum 1 Dez fertig sein kann,
    wäre ich froh, wenn ich die Verpflichtg für
    Parker wider los wäre. Die Abhandlg wird
    natürlich zu Ende geschrieben werden u soll im
    zweiten Heft der Sam̄lung kl. Schriften, wenn
    nicht vorher wo anders, erscheinen.

     

  2. Ihr taktvolles Benehmen in Sachen meiner Photo-
    graphie hat meine volle Billigung. Wenn ich für
    die Publikation nichts beitrage, hat auch mein
    Bild darin nichts zu suchen. Anders, wenn die
    Betheiligg doch zu Stande kommt.

    Die einzige Nachricht, die Sie von meiner Seite inter-
    essiren kann, außer der Arbeit an dem Aufsatz
    über Methodik, ist die von der Verlobung meiner
    ältesten Tochter mit einem jungen Kaufmann ihrer
    Wal, womit ich also zum Schwiegervater vorge-
    rückt bin. Die Heirat soll in etwa 5 Monaten statt-
    haben. Wenn ich denke, daß Ihre Verheiratung
    nicht älter ist, so wird mir deutlich, daß ich zur
    alten Generation gehöre, zur Väterreihe, im
    Vergleich mit den Kollegen, die so liebenswürdig
    sind, sich meine Schüler zu nennen.

    Die zweite Auflage der Traumdeutg ist fertig u
    muß in den nächsten Tagen ausgegeben werden.

    Mit herzlichen Grüßen für Sie u Ihre liebe Frau
    Ihr freundschaftl ergebener
    Freud

Datum
08.11.1908
Art
Umfang/Seiten
2
Absendeort
Berggasse 19
1090 Wien
Österreich
Archiv Signatur
C18F23
Veröffentlicht

30.10.2013

Aktualisiert

27.10.2015

Die diplomatischen Umschriften der vorgestellten Texte bedürfen noch weiterer Korrekturen, erst dann kann mit der Annotation begonnen werden.
Beiträge und Korrekturen Ihrerseits sind sehr willkommen!