Ausführungen zu Merkmalen der Schriften Freuds
[Hier finden sich erste Beobachtungen und Erklärungen, die laufend überarbeitet und ergänzt werden.]

Zu den Eigenheiten von Freuds Rechtschreibung und Interpunktion

Zur Interpunktion in Briefen und Manuskripten
Die Satzzeichen, insbesondere das Komma, setzt Freud meist deutlich unter die Grundlinie der Zeile, verzichtet manchmal auf die Setzung eines Kommas und lässt Satzzeichen am Zeilenende öfter weg.
Absatzformatierung bei Freud
In Briefen, die mit Hand geschrieben wurden, sind Absätze nicht immer klar zu definieren, hier bleibt ein Interpretationsspielraum offen. Bei Maschineschrift nach Diktat finden sich Einrückungen. Bei den Reinschriften hat Freud, (meist / nur?) wenn nicht eindeutig ersichtlich, bei einem neuen Absatz eine Einrückung vorgenommen.

Zur Orthographie
In seinen Briefen und Manuskripten (das gilt nicht für Reinschriften und Zitate anderer AutorInnen) behielt Freud individuelle, ältere Formen der Orthographie bei. (Grubrich-Simitis, 1993, 188ff)
Freud verwendet das Dehnungs-h oft nicht („wol“ stat wohl“, Schuldgefül“). Bei den Endsilben „ieren“, „ierung“ fehlt das „e“, das zu seiner Zeit den geltenden Rechtschreibregeln entsprach.
Beim anlautenden „t“ findet sich bei Freud oft ein „h“: thun“. In der „s-„-Schreibung finden sich bei ihm, zusätzlich zu den „s“-Formen der Kurrentschrift individuelle Abweichungen und manche Schreibweisen des „ss“ mit langem S“ lassen sich schwer unterschieden von einem „ß“. Schreibt Freud in Latein-Schrift, findet sich nur das „s“ und kein „ß“.

Zu den Regeln der „s“-Schreibung
"Konzepte der s-Schreibung
Die Handhabung des ß gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 folgt der sogenannten Heyseschen s-Schreibung, die von Johann Christian August Heyse im Jahr 1829 formuliert wurde.[17] Von 1879 an galt sie in Österreich, bis sie im Rahmen der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung durch die Orthographische Konferenz von 1901 für Schulen und Ämter in deutschsprachigen Staaten ungültig wurde. Stattdessen galt ab dann die Adelungsche s-Schreibung des Orthographen Johann Christoph Adelung. Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde die Heysesche s-Schreibung wiedereingeführt.
Heutige Rechtschreibregeln:
Mit ß wird der stimmlose s-Laut unmittelbar nach langem Vokal und nach Doppelvokal (Diphthong) geschrieben, wenn im Wortstamm kein Konsonant folgt und keine Auslautverhärtung vorliegt: Straße, groß, draußen, Fleiß, aber: Gras, Los, Faust, Meister. Dies dient zur Abgrenzung von stimmhaftem s (Rasen, reisen) und von kurzem Vokal (Gasse, Kuss). In der Schweiz und in Liechtenstein steht statt ß immer ss (siehe unten).
Rechtschreibregeln von 1901 bis 1996:
Nach den von 1901 bis 1996 gültigen Regeln schrieb man ß in denselben Fällen wie heute; zusätzlich stand ß statt ss am Wortende (auch in Zusammensetzungen): Kuß, kußecht, Paß, Paßbild sowie am Wortstammende, wenn ein Konsonant folgte: (du) mußt, (es) paßt, wäßrig, unvergeßne, Rößl.
In der Adelungschen s-Schreibung richtet sich somit die Verteilung von ß und ss teils nach graphotaktischen Kriterien (Berücksichtigung der graphischen Umgebung: Wortende, Wortfuge oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals). Wenn der s-Laut ambisyllabisch ist, steht ss.“

(http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9F [13.9.2014])

Zur „s“-Schreibung in der Kurrentschrift siehe auch http://www.kurrentschrift.net/index.php?s=s-regeln [13.9.2014]

Zu Papier und Schreibgerät
Briefpapier:

Bei den Briefen Freuds an Brill finden sich aus seiner Zeit in Wien bis 1938 drei Formen von seinem Briefpapier, die mit gedruckten Briefköpfen versehen sind, ein großes und ein kleines Format und ein Kartenformat. In einzelnen Fällen verwendete Freud das Briefpapier der Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse. Nach seiner Emigration nach London verwendet er ein Briefpapier (in zwei Formaten) mit seiner Londoner Adresse. Zusätzlich finden sich  einfache Postkarten (ohne Schmuck) und Ansichtskarten.
Freud beschrieb das Briefpapier beidseitig. Ging ein Brief über mehr als zwei Seiten, benützte Freud weiter die Bögen mit dem gedruckten Briefkopf, bei langen Briefen wechselte er manchmal auch vom größeren zum kleineren Format.
Bögen im Format von 50 x 40 cm
Diese großformatigen Bögen ließ Freud extra für sich zuschneiden. Gefaltet zu Doppelbögen oder auseinandergeschnitten ergibt das das charakteristische Format von 25 x 40 cm. Auf diesem Papier schrieb er viele seiner Manuskripte.


Schreibgerät
Für seine handschriftlich geschriebenen Briefe und Manuskripte verwendet Freud zumeist eine Füllfeder, oft mit einer breiten Spitze.
Gedruckte Briefköpfe:
Die Briefköpfe, die seine Wiener Adresse in der Berggasse 19 aufweisen, variieren entsprechend dem verwendeten Papierformat, bleiben aber vom Inhalt und den Zeichen her über die Jahre gleich - bis auf den Punkt, der hinter Berggasse 19 gesetzt ist oder nicht.
Zu den Schrifttypen der Texte:
Die Mehrheit der Briefe schrieb Freud mit der Hand, meist in Kurrent-Schrift, manchmal auch in Latein-Schrift. Manche Briefe sind mit Schreibmaschine nach Diktat geschrieben.
Die Schrifttypen der Briefköpfe werden noch näher bestimmt werden.


Zu den Kuverts:
In der Library of Congress (LOC) finden sich zu den Briefen eingereiht oft auch Kuverts. Ob diese in jedem Fall gesichert zu jenen Briefen zuzuzählen sind, in deren Nachbarschaft sie sich im Folder der LOC befinden, ist nicht gesichert, wir haben das im Detail auch nicht geprüft und die Reihenfolge der Anordnung der LOC übernommen um einen zeitlichen Kontext, der in der Folge der Archivierung noch enthalten sein könnte, nicht zu zerstören.

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(Zur zitierten Literatur siehe Literaturliste)