Philologische Richtlinien

Vorläufige, erste philologische Richtlinien
Die digitale Edition ist dem Ziel einer vollständigen, historisch-kritischen Aus­gabe aller Veröffentlichungen und der nachgelassenen Schriften und Briefe von Sigmund Freud verpflichtet und sucht dieses wissenschaftliche und literarische Erbe in seiner Gesamtheit zugänglich zu machen.
Die Texte werden nach Möglichkeit als Faksimile der originalen Handschriften und Drucke und als diplomatische Umschrift wiedergegeben, wobei alle von Sigmund Freud verfertigten oder autorisierten Textvarianten einschließlich der Druckvorstufen in der Edition Aufnahme finden.
In einem nächsten Schritt wird ein komplexer textkritischer Apparat entwickelt.
Text, textkritischer Anmerkungsapparat und Kommentare werden getrennt geführt.

work in progress
Hier finden sich erste Richtlinien.
Die am 23. September 2014 vorgestellten Veröffentlichungen stehen für sich, dienen aber auch für die Entwicklung der philogischen Prinzipien als Pilotstudien.
Die Richtlinien erfahren im Laufe des Editionsvorhabens fortwährend eine Überarbeitung.
Erst wenn sich die Prinzipien als ausreichend stabil erweisen, werden alle Texte entsprechend vereinheitlicht.

 

A. Richtlinien für Handschriften und Briefe:

Die Transkription erfolgt weitgehend in diplomatischer Umschrift.
(Bis zur Verfertigung der dilomatischen Umschriften werden den Faksimiles der Originale als Vorstufen nach Möglichkeit Roh-Tranksriptionen beigestellt.)

Absatz, Zeilenumbrüche, Silbentrennung
Die Zeilengenauigkeit wird eingehalten.
Bei Zeilenumbrüchen werden – im Gegensatz zu Absätzen – weiche Zeilenumbrüche gesetzt. [Shift + Enter]
Silbentrennungen am Zeilen- und Seitenende werden übernommen.
Die Silbentrennung am Zeilenende wird einheitlich mit einem einfachen Bindestrich geschrieben, Freud verwendet manchmal einen Doppelstrich.
Die Absatzformatierung wird bei den Briefen vereinheitlicht; bei Absätzen wird ein harter Zeilenumbruch gesetzt.
Bei den Briefen werden die Formatierungen der Anrede und die der Grußworte vereinheitlicht und bilden nicht in jedem Falle das Schriftbild des Originals ab.
Ein Zeilenzähler im Satzspiegel wird zuschaltbar sein.

Zur Übernahme der Interpunktion des Originals
Grundsätzlich wird die Interpunktion Freuds originalgetreu übernommen.
Es wird in der Umschrift eine Unterscheidung zwischen Gedankenstrich und Bindestrich getroffen.
Freud lässt manchmal das Komma oder den Punkt am Zeilenende weg, da ihm das Zeilenende als ausreichende Zäsur dient, er lässt auch an anderen Stellen manchmal das Komma weg. Das wird in der Umschrift übernommen.
Unterstreichungen des Autors werden übernommen.

Orthographie
In  buchstabengetreuer Umschrift wird die Orthographie des Originals ebenso übernommen wie Einfügungen, Streichungen, Verschreibungen und Überschreibungen des Autors.
Gleiches gilt für das Hochstellen von Buchstaben, und die Verwendung von „u“ / „v bzw. „U“ / „V“ (z. B. „Zevs“). Bei Unklarheiten und Erklärungsbedarf erfolgen entsprechende Anmerkungen.
Erfolgen bei Schriften, die mit Schreibmaschine nach Diktat verfasst wurden, handschriftliche Ausbesserungen, die wahrscheinlich aus der Feder Freuds stammen, wird die korrigierte Fassung in die Transkription übernommen und die Korrekturen im Anmerkungsapparat ausgewiesen.  
Bei Typoskripten nach Diktat werden einfache Tippfehler (Verdrehung der Reihenfolge der Buchstaben, zu großer / fehlender Abstand zwischen den Buchstaben, etc.) nicht übernommen, aber im Anmerkungsapparat ausgewiesen.

Textkritische Zeichen für die diplomatische Transkription

Wort                                gestrichenes Wort
Wort                                unterstrichenes Wort
[x]                                    unleserliches Zeichen                                  
[xxx]                                unleserliches Wort
[xxx … xxx]                     unleserliche Wortfolge
[x]                                    unleserliches Zeichen, gestrichen
[xxx]                                unleserliches Wort, gestrichen
[xxx … xxx]                     unleserliche Wortfolge, gestrichen
[w]                                   unsichere Lesung eines Buchstabens
[www]                              unsichere Lesung eines Wortes
eingefügte Worte                   Einfügung von Worten
2Worte 1neue                  Umstellung der Wortfolge [zu lesen als: neue Worte]
                                       Für die Umstellungen einer langen Wortfolge wird nach graphischen Lösungen gesucht.
m̄, n̄                                zu kläre ist noch, ob der Geminationsstrich übernommen oder in "mm", "nn" aufgelöst wird.

 

Zur „s“-Schreibung
Freuds „s“-Schreibung wird ausnahmslos übernommen, wenn der Text in Lateinschrift oder in Maschinenschrift verfasst ist. Hier findet sich nur das „s“ und kein „ß“
Kurrentschrift kennt mehrere Formen der „s“-Schreibung, in der hier vorliegenden Umschrift werden aber nur „s“ und „ß“ verwendet:
Das scharfe „ß“ der Kurrentschrift wird in der Umschrift von Freud ausnahmslos übernommen.
Als „s“ geschrieben werden folgende Formen des „s“ der Kurrentschrift:
- Das runde oder Schluß-„s“ an Wortenden, als Fugen-„s“ in Zusammensetzungen und wenn nach dem s eine mit einem Mitlaut beginnende Nachsilbe wie -lein, -chen, -mus usw. folgt;
- Das Lang-„s“ am Wortanfang und innerhalb eines Wortes.
- Wenn bei zusammengesetzten Wörtern eine Silbe mit „s“ endet und die nächste mit „s“ beginnt, ist das erste rund und das zweite lang.
- Das Doppel-„s“ (in Wörtern, die nicht an der Stelle zusammengesetzt sind) ist immer lang.
Anmerkung: In manchen Fällen ließ sich nicht genau entscheiden, ob an dieser Stelle Freud ein „ss“ verwendete oder ein „ß“. Im Zweifel wurde nach der 1901 – 1996 geltenden Rechtschreibregel transkribiert (siehe dazu im Anhang).

Gedruckte Briefköpfe
Sie werden in den Text aufgenommen, aber grafisch später gesondert behandelt.

Anführungszeichen.
Diese werden nach Möglichkeit analog zum Original gesetzt:

Deutsche Anführungszeichen („)
Mac OS: Shift + Alt + w oder Alt + ^
Windows: Alt + 0132
Deutsche Ausführungszeichen (“)
Mac OS: Alt + 2
Windows: Alt + 0147

Französische Anführungszeichen (»)
Mac OS: Shift + Alt + q
Windows: Alt + 0187
Französische Ausführungszeichen («)
Mac OS: Alt + q
Windows: Alt + 0171

Anmerkungen:
Die Umschrift selbst wird (nach Möglichkeit) von Anmerkungen freigehalten.
Eine Ausnahme bilden etwa unleserliche Buchstaben oder Worte (s.o.), die in den philologischen Anmerkungen ausgewiesen werden.
In der Umschrift wird zwischen Schrifttypen (Kurrent, Latein, Maschinenschrift) nicht unterschieden. Die jeweils vorliegende Schrift wird in den Anmerkungen / den Metadaten zum Dokument ausgewiesen.
Texte, die von verschiedenen AutorInnen verfasst wurden (etwa Ansichtskarten, die von mehreren geschrieben wurden) werden gesamt in das Transkript übernommen, in den Korrespondenzen aller AutorInnen geführt und dort jeweils mit den entsprechenden Anmerkungen hinsichtlich der Autorenschaft versehen.
Hinzufügungen von fremder Hand (Unterstreichungen, Anmerkungen, Stempel, etc.)
Sie werden nicht in den Text übernommen, aber in den philologischen Anmerkungen ausgewiesen.

 

B. Richtlinien für das Druckwerk
Die Details der philologischen Richtlinien sind in Ausarbeitung, werden parallel zur Texterstellung laufend ergänzt, überarbeitet und in ihrer jeweils aktuellen Version ausgewiesen.
Zu den grundlegenden Prinzipien der Digitalen Edition des Druckwerkes:
Nach Möglichkeit werden bei einem Werk alle Textvorstufen und alle Ausgaben bis zur Ausgabe letzter Hand erfasst und als Faksimile und in diplomatischer Umschrift aufgenommen.
Diese Textversionen werden untereinander verglichen und die Veränderungen ausgewiesen.
Für jedes Werk wird bestimmt, welche dieser Textvarianten als Referenztext für die digitale Gesamtausgabe und für die Erstellung des Register- und Anmerkungsapparates dient.
Die Absätze orientieren sich an dem jeweiligen Original, aber das Setzen der Überschriften, der Zeilenabstand, die Absatzformatierung werden vereinheitlicht. Seitengenauigkeit wird bei der Umschrift der einzelnen Textvarianten eines Werkes eingehalten.
Für die edierte digitale Gesamtausgabe und die Druckausgabe der im Gefolge des Projektes erstellen textkritischen Ausgabe muss noch ein Modus gefunden werden.
Wie sich in der digitalen Version der Flatterrand der diplomatischen Umschrift in Hinblick auf die endgültige digitale Edition oder zu einer etwaigen Druckvorlage verhält, ist noch zu klären.
Eine Seitenkonkordanz beim Druckwerk, bezogen auf das jeweilig letzte Wort der entsprechenden Textseite, zwischen Druckvorstufen, Erstausgabe, alle Auflagen einschließlich der Ausgabe letzter Hand, GW und SE wird vorgelegt werden.
Ein Zeilenzähler im Satzspiegel wird zuschaltbar sein.
Für die Handhabung der Fußnoten / Endnoten des Originals wird man eine Lösung finden müssen, wobei die originale Fußnotennummerierung erhalten bleiben muss. Bei der Transkription der Textvorstufen und allen Auflagen bis zur Ausgabe letzter Hand, die seitengetreu erfolgen, ist die originalgetreue Übernahme der Nummerierung der Fußnoten kein Problem. Für die edierte digitale Gesamtedition der im Gefolge des Projektes erstellten textkritischen Ausgabe muss für die Fußnoten ein Modus gefunden werden, sollten die Seiten unterschiedlich zum Referenztext formatiert sein.
Sperrungen, Kursivsetzungen, Unterstreichungen und Fettschreibungen werden bei allen Textstufen jeweils vom Original übernommen.
Die Rechtschreibung des Originals wird im Zweifel beibehalten.
Emendationen: Es wird bei Druckwerken auch die bisher vorgenommene Korrektur reiner Rechtschreib- oder Druckfehler vermerkt.
Vorhandene Konjekturen – also von HerausgeberInnen und nicht von Freud - vorgenommene Ergänzung fehlender Textstellen und Korrekturen von Fehlschreibungen bzw. Rekonstruktionen durch die Herausgeber –  werden jedenfalls ausgewiesen. In von Freud autorisierten Ausgaben werden sie übernommen, aus posthumen Publikationen werden sie nach Möglichkeit nicht in den Text übernommen, sondern nur im kritischen Apparat vermerkt, da sie bereits Teil der Textdeutung sind.
Neue Konjekturen werden nicht vorgenommen. Rechtschreibung wird im Zweifel beibehalten.
Kustoden werden nicht übernommen.

C. Richtlinien für den textkritischen Apparat
Der Register- und Anmerkungsapparat wird in seinem ganzen Umfang parallel zur Texterschließung generiert.
Er wird getrennt vom Werk Freuds zuschaltbar sein. Damit wird die Lesbarkeit der Schriften gewährleistet und berücksichtigt, dass Register und Anmerkungen konstanten Veränderungen (Korrekturen, Erweiterungen) unterworfen sind.
Bei der Erstellung des Registerapparates muss für jedes Werk vorher überlegt werden, von welcher Textvariante man bei den Verknüpfungen mit dem textkritischen Apparat ausgehen will. Referenztext für die Gesamtausgabe wird entweder die Erstausgabe oder die Ausgabe letzter Hand sein, alle zu Lebzeiten Freuds vorgenommenen Textänderungen werden ausgewiesen. In einzelnen Fällen wird man sowohl die Ausgabe letzter Hand als auch die Erstausgabe in die Gesamtausgabe aufnehmen.
Für den Anmerkungsapparat gelten die aktuellen Rechtschreibregeln.

D. Die Zitierweise bei Literaturangaben
Diese wird erst nach endgültiger Einrichtung der Literaturdatenbank vereinheitlicht werden.

E. Kommentare, Korrekturen, Ergänzungen und Kritik der Leserschaft
Diese Beiträge sind sehr willkommen und bilden einen gesondert ausgewiesenen, wesentlichen Teil der Edition.
Wir bitten, diese Beiträge möglichst nach den aktuellen Rechtschreibregeln zu erstellen, da sie im vorliegenden Zustand übernommen werden.
Das Editionsteam behält sich vor, Beiträge nicht zu übernehmen (oder gesondert auszuweisen), wenn formal die Kriterien drastisch unterschritten oder die Formen einer respektvollen, sachlichen Auseinandersetzung verletzt werden.
Viele Fragen der Zeichensetzung sind in den Regeln zur Manuskripteinrichtung des Instituts für Textkritik in Heidelberg behandelt. http://www.textkritik.de/satzregeln/satzvorgaben.htm [zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2010]

Diese erste, vorläufige Version der philologischen Richtlinien wurde von Christine Diercks (in Zusammenarbeit mit Christian Huber und Julian Roedelius) erstellt.
[23. 9. 2014, teilweise aktualisiert im Februar 2016]