• S.

    [III. Teil]
    [81]

    5. Okt. 95.    [III. Teil] Versuch, die normalen ψ Vorgänge darzustellen

    Die sog Sekundärvorgänge müßen mechanisch zu erklären sein durch die
    Wirkg, welche eine stetig besetzte Nmasse (das Ich) auf andere mit
    wechselnden Besetzgen ausübt. Ich will zunächst die psychol. Darstellg
    solcher Vorgänge versuchen.

    Habe ich einerseits das Ich, andererseits W (Wahrnehmgen), dh Besetzgen in
    ψ von φ (der Außenwelt her), so bedarf ich eines Mechanismus, welcher
    das Ich veranlaßt, den W zu folgen u sie zu beeinflußen. Ich finde ihn
    darin, daß eine W nach meinen Voraussetzgen jedesmal ω erregt,
    also Qualitätsz. abgibt. Genauer gesagt, sie erregt in ω Bewußtsein
    (Bew. einer Qualität) u die Abfuhr der ω Erregg wird jede Abfuhr
    eine Nachricht nach ψ liefern, welche eben das Qualitätz ist. Ich stelle
    also die Vermutg auf, daß es diese Qualz sind, welche ψ für die W
    interessiren.

    Es wäre dieß der Mechanismus der psych. Aufmerksamkeit. Seine Entstehg
    mechanisch (automatisch) zu erklären fällt mir schwer. Ich glaube darum,
    daß er biologisch bedingt ist, dh übriggeblieben im Laufe der psych
    Entwicklg, weil jedes andere Verhalten von ψ durch Unlustentwicklg
    ausgeschlossen worden ist. Der Effekt der psych Auf ist die Besetzg
    derselben N, welche Träger der Wbesetzung sind. Dieser Zustand hat ein
    Vorbild in dem für die ganze Entwicklg so wichtigen Befriediggserlebniß
    u in dessen Wiederholungen, den Begierdezuständen, die sich zu Wunsch-
    zuständen und Erwartgszuständen entwickelt haben. Ich habe dargelegt, daß
    diese Zustände die biologische Rechtfertigg alles Denkens enthalten.

    Die psych. Situation ist dort folgende: Im Ich herrscht die Begierdespanng
    in deren Folge die Vorstellg des geliebten Objektes (die Wunschvor-
    stellg) besetzt wird. Biologische Erfahrg hat gelehrt, daß diese V nicht so
    stark besetzt werden darf, um mit einer W verwechselt werden zu
    können, u daß man die Abfuhr aufschieben muß, bis von V die
    Qualz auftreten, als Beweis, daß V jetzt real, eine Wbesetzg ist.
    Kommt eine W an, die mit V identisch oder ähnlich ist, so findet sie ihre

    N durch den Wunsch vorbesetzt dh entweder schon alle besetzt oder
    einen Theil davon, so weit eben die Übereinstim̄g geht. Die Differenz
    zwischen der V und der ankommenden W giebt dan̄ den Anlaß zum
    Denkvorgang, der sein Ende erreicht, wenn die überschüßigen
    Wbesetzgen auf einem gefundenen Wege in V überführt
    sind; dann ist Identität erreicht.

    Die Aufmerksamkeit besteht dann darin, die psych Situation des Erwartgs-
    zustandes auch für solche W herzustellen, die nicht mit Wunschbesetzgen
    teilweise zusam̄enfallen. Es ist eben von Wichtigkeit geworden,
    allen W eine Besetzg entgegenzuschicken, da sich die gewünschten darunter
    befinden könnten. Die Aufm ist biologisch gerechtfertigt; es handelt

     

  • S.

    [82]

     

    sich nur darum, das Ich anzuleiten, welche Erwartgsbesetzg es herstellen
    soll u dazu dienen die Qualz.

    Man kan̄ den Vorgang der psych Einstellg etwa noch genauer verfolgen.
    Zunächst sei das Ich nicht vorbereitet. Es entstehe eine Wbesetzg u
    darauf deren Qualz. Die innige Bahng zwischen beiden Nachrichten
    wird die Wbesetzg noch steigern und nun wird die Aufmerksbesetzg
    der WN erfolgen. Die nächste Wahrnehmg desselben Objektes wird
    (nach dem ersten zweiten Associationsgesetz) eine ausgiebigere Besetzg derselben
    W zu Folge haben u erst diese wird die psychisch brauchbare W sein.
    ./. Schon aus diesem Stück der Darstellg ergiebt sich ein höchst bedeutsamer
    Satz: Die Wbesetzg ist das erste mal eine wenig intensive, mit geringer
    Q, das zweite mal bei ψ Vorbesetzg eine quantit größere.
    Nun wird an dem Urtheil über die quantitativ Eigenschaften des Objektes
    durch die Aufmerksamkeit principiell nichts geändert. Folglich kann
    die äußere Q der Objekte sich in ψ nicht durch psych Qἠ ausdrücken
    Die psych Qἠ bedeutet etwas ganz Anderes, in der Realität nicht
    Vertretenes u die äußere Q drückt sich wirklich in ψ durch etwas
    Anderes aus, durch Complexität der Besetzgen. Dadurch ist aber
    die äußere Q von ψ abgehalten./.:

    Noch befriedigender ist folgende Darstellg: Es ist ein Resultat
    biologischer Erfahrg, daß die ψ Aufmerks ständig den Qualz zuge-
    wendet ist. Diese erfolgen also auf vorbesetzten N u mit genügend
    großer Quantität. Die so verstärkten Qualnachrichten verstärken
    durch ihre Bahng die Wbesetzgen u das Ich hat gelernt, seine
    Aufmbesetzgen dem Verlauf dieser Associationsbewegg vom Qualz.
    zu W folgen zu lassen. Es wird dadurch geleitet gerade die richtigen
    W oder deren Umgebg zu besetzen. Ja wen̄ man annim̄t, daß es
    dieselbe Qἠ aus dem Ich ist, welche auf der Bahng vom Qualz
    zum W hin wandert, so hat man die Aufmerksbesetzg sogar
    mechanisch (automatisch) erklärt. Die Auf verläßt also die
    Qualz um sich den jetzt überbesetzten WN zuzuwenden.

    Nehmen wir an, aus irgendeinem Grund versagte der Aufm-
    mechanismus, so wird die ψ Besetzg der WN ausbleiben und die
    dorthin gelangte Q wird nach den besten Bahngen (rein associativ)
    sich fortpflanzen, soweit es die Verhältniße zwischen Widerständen
    u Quantität der Wbesetzg gestatten. Wahrscheinlich würde dieser
    Ablauf bald sein Ende erreichen, da die Q sich theilt u alsbald
    in einem nächsten N zu klein zur weiteren Strömg wird. Der
    Ablauf der Wq kann unter gewißen Bedinggen nachträglich Aufm
    erregen oder auch nicht. Dann endet er unbeachtet in Besetzg
    irgend welcher NachN, deren Schicksal wir nicht kennen.