• S.

    PROF. DR. FREUD
    WIEN, IX., BERGGASSE 19.
    10. 6. 20.

    Lieber Baron

    Endlich einmal ein ver-
    nünftiger Brief mit einer
    bestimmten Frage, auf
    die man antworten kann,
    fast normal bis auf das
    Honorarangebot das ich
    dankend abweise.

    Es läßt sich also mit Bestim̄t-
    heit aussprechen, daß der
    Prozeß nicht verloren
    ist, daß man Aussicht hat,
    die Aufgabe durchzuführen
    und mit einem guten Er-
    gebnis aus dem Konflikt
    herauszukom̄en.  Die Er-
    haltung der bisher er-
    reichten Überwindung
    Ihres Masochismus
    spricht unverkennbar
    dafür und Ihr gegen-
    wärtiges Leiden wird

  • S.

    nach meiner Erwartung das
    Meiste dazu beitragen,
    Ihre Widerstände mürbe
    zu machen, wenn die
    analytische Arbeit wieder
    aufgenom̄en wird.

    Das kann aber erst Anfangs
    Oktober geschehen; bis
    dahin bedienen Sie sich des
    Sanatoriums als Som̄er-
    aufenthalt und weiteren
    Fegefeuers. Entbehren
    muß man nun einmal,
    da giebt es nichts anderes.
    Was an dem sehnlich Ge-
    wünschten wertvoll und
    zuläßig ist, wird auch
    später zu haben sein.

    Mit freundlichsten
    Wünschen zum Termin

    Ihr ergebener
    Freud

    P. S.  Nicht die Wirkung
    des ersten Briefes
    durch zweiten
    verderben!