• S.

    Kriegswitze

    a). Nach dem Erfolg der deutschen Kriegsanleihen
    sagte man, der Direktor der Deutschen
    Bank sei zum Generalgeldmarschall
    ernannt worden.

    b). Es hatten sich viele Telephonistin̄en zum roten
    Kreuz gemeldet, wurden aber nicht ange-
    nom̄en, weil es bekannt ist, daß sie
    sehr schlecht verbinden.

    c). Der Czar hat um einen 3tägigen Waffen-
    stillstand angesucht, um die Jubilaeums-
    num̄er der Nfr  Presse lesen zu können

    d) Als Kaiser Wilhelm die Kriegserklärung
    von Montenegro gemeldet wurde, soll
    er gesagt halben: Uns bleibt aber auch
    nichts erspart.

    e). Warum die Deutschen so gut verstehen,
    den Krieg zu führen? Weil er ihnen Xmal
    erklärt worden ist.

    f). Frau v. Pollak soll 10,000 weiche Kißen für
    die Soldaten im Felde gespendet haben,
    weil sie gehört, daß sie so hart an der
    russischen Grenze liegen.

  • S.

    g) Liebe Eltern, schreibt ein in der russischen
    Armee dienender Jude nach Hause, es geht
    uns sehr gut, wir gehen täglich ein paar
    Meilen zurück. So Gott will, hoffe ich,
    zu Roschhaschono zu Hause zu sein

    h). Jeder Schuß – ein Kuß
         Jeder Stoß – ein Franzos
         Jeder Tritt – ein Britt‘
         Jeder Klaps – ein Japs

    i) Poinecaré – Schweinscarré

    j). Belgien wird zwischen England u Deutsch-
    land geteilt. England bekom̄t den
    König und Deutschland das Reich.

    k) Der Dreibund besteht aus einem Zweibund
    und einem Vagabund

    ...

    Vorläufige Editorische Anmerkungen:

    Zur Datierung dieser Niederschrift:
    Diese Witze spielen auf Ereignisse an, die sich zumeist auf August oder September 1914 datieren lassen.

    Der Ton der Witze ist noch siegesgewiss, die schweren Verluste an der Ostfront klingen hier noch ebensowenig an wie der endgülitige Frontwechsel des zuerst noch neutralen "Vagabunden" Italien. Vieles spricht dafür, das diese Witze aus der Anfangszeit des Kriegsgeschehens stammen und damit für die Datierung „1914 [ca.]“.

    Stellenkommentare:

    Ad a) Von 1914 bis 1918 wurden in Österreich-Ungarn acht und im Deutschen Reich neun Kriegsanleihen ausgegeben.
    1. Kriegsanleihe Deutsches Reich: September 1914

    1. Kriegsanleihe Österreich-Ungarn: November 1914

    Ad c) Nfr Presse: Die Neue Freie Presse wurde am 1.September 1864 von Michael Etienne und Max Friedländer gegründet – 50 Jahre vor dem 1. September 1914.

    Ad d) Montenegro erklärte am 9. August 1914 Österreich-Ungarn den Krieg.

    Ad f) und g) Die 2. russische Armee wurde von Truppen des Deutschen Reiches nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht bei Tannenberg (23.-31. August 1914) geschlagen, die 1. russische Armee in der Schlacht an den Maurischen Seen (8. bis 10. September 1914). Das hatte ab Mitte September den Rückzug der russischen Truppen aus Ostpreussen zur Folge.
    Die Truppen der k.u.k Armee gingen aus den Schlachten in Kraśnik (22.–25. August 1914) und Komarów (26.–31. August 1914) zwar erfolgreich hervor, aber erlitten auch mehrere Niederlagen (Złoczów; 26.-27. August 1914;  Brzeżany, 26. August 1914). Am 11. September 1914 musste die k.u.k. Armee nach schweren Verlusten en Rückzugantreten.

    Ein gemeinsamer Vorstoß der Mittelmächte gegen Russland begann am 28. September 1914.
    „Die operativen Anfangsplanungen Russlands und Österreich-Ungarns waren am Jahresende gescheitert, während die deutsche Seite ihr zu Kriegsbeginn formuliertes Hauptziel – die defensive Behauptung der deutschen Ostgebiete – fast vollumfänglich erreicht hatte. Das verbündete österreichisch-ungarische Heer hatte indes Schläge hinnehmen müssen, von denen es sich in der Folge nie wieder ganz erholte. Bis Ende 1914 hatte es an Toten, Verwundeten, Kranken, Gefangenen und Vermissten 1,269 Millionen Mann verloren, davon etwa eine Million Mann an der russischen Front.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ostfront_(Erster_Weltkrieg)#Kriegsjahr_1914 [2021-09-16])

    Ad h) und j)
    Österreich-Ungarn erklärte am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg.
    Am 30. Juli 1914 begann das Russischen Kaiserreich (Schutzmacht Serbiens) mit der Generalmobilmachung.
    Deutschland erklärte Russland am 1. August 1914 den Krieg.
    Am 1./2. August 1914 forderte Deutschland von Belgien ultimativ den freien Durchzug seiner Truppen.
    Belgien lehnte dies am 3. August ab.
    Deutschland erklärte Frankreich am 3. August 1914 den Krieg.
    Deutsche Truppen fielen in der folgenden Nacht in Belgien ein.
    Großbritannien (Garantiemacht Belgien) erklärte am 4. August 1914 Deutschland den Krieg.
    Am 23. August 1914 erklärte Japan dem Deutschen Reich den Krieg.

    Ad i) Raymond Poincarè (1860-1934), während des 1. Weltkrieges Staatspräsident von Frankreich, bekräftigte anlässlich seines Staatsbesuchens in Petersburg vom 20. bis 23. Juli 1914 das (ursprünglich geheime) seit 4. Jänner 1894 bestehende Bündnis mit Russland.

    Ad k) Mittelmächte: Defensivbündnis zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien. 
    Italien beteiligte sich aber am Kriegsgeschehen nicht sondern erklärte sich neutral, da es nur ein Bündnis zur Verteidigung eingegangen war.

    Am 26. April 1915 schloss Italien einen Geheimvertrag (Londoner Vertrag) mit Großbritannien Frankreich und Russland und trat am 23. Mai 1915 auf deren Seite in den Krieg ein.

    Bibliografie:
    Erstmals publiziert in:

    Freud, Sigmund (2001[1914]): 
    Kriegswitze. [Erste Seite einer Sammlung, Faksimile und Transkription]. Tögel, Christfried (Hg.) (2001): In: Sigmund Freud – Stationen eines Lebens. Katalog zur Ausstellung im Sigmund-Freud-Zentrum des Fachkrankenhauses Uchtspringe. Uchtspringe, 40f.

  • S.

    Eleven war jokes.

    Two sheets torn from a writing pae‚ 21 x 27 cm (incl.
    perforated stubs at top).

    each, which are taped together again.
    lst sheet, recto: 22 lines; Verso:

    Both sheets torn into two pieces

    empty.

    2nd sheet, recto: 15 lines; Verso: empty.

Ganz fertig / zutreffend
Nicht erforderlich/
Ganz fertig / zutreffend
Teilweise -
Teilweise -