I

Eine andere Art von Absurdität, die sich in Träumen von
totten Angehörigen findet, drückt nicht Spott und Hohn aus, sondern
dient der äußersten Ablehnung, der Darstellung es eines
verdrängten Gedankens, den man gerne als das Allerun-
denkbarste hinstellen möchte. Träume dieser Art erscheinen
nur auflösbar, wenn man sich erinnert, daß der
Traum zwischen Gewünschtem und Realem keinen
Unterschied macht. So träumt z. B. ein Mann, der
seinen Vater in dessen Krankheit gepflegt und
unter dessen Tod schwer gelitten hatte, eine Zeit nachher
folgenden unsinnigen Traum: Der Vater war wieder
am Leben und sprach mit ihm wie sonst, aber
(das
Merkwürdige war), er war doch gestorben und
wußte es nur nicht. Man versteht diesen Traum, wenn man
nach „er war doch gestorben” einsetzt: infolge
des Wunsches des Träumers
und nach zu „er wußte
es nicht” ergänzt: daß der Träumer diesen Wunsch
 hatte.
Der Sohn hatte während der Krankenpflege
wiederholt. den Vater todt gewünscht, d. h. den
eigentlich erbarmungsvollen Gedanken gehabt,
der Todt möge doch endlich dieser Qual ein
Ende machen. In der Trauer nach dem Tode
wurde selbst dieser ¿¿ Wunsch des mitleidens zum
unbewußten Vorwurf, als ob er durch ihn wirklich
beigetragen hätte, das Leben des Kranken zu
verkürzen. Durch Erweckung der frühinfantilsten
Regungen gegen den Vater wurde es möglich, diesen

Vorwurf als Traum auszudrücken, aber gerade wegen
der weltenweiten Gegensätzlichkeit zwischen dem
Traumerreger und dem Tagesgedanken mußte
dieser Traum so absurd ausfallen. (Vgl. hierzu: Form-
ulirungen über die zwei Prinzipien des psychischen
Geschehens. Jahrbuch Bleuler-Freud III. 1. 1911)]

[Editorische Anmerkung

Zur Datierung:
Zusatz zur 3. Auflage der Traumdeutung aus 1911,
Kapitel VI. Die Traumarbeit, Fußnote auf Seite 286.

Das Faksimile wurde 2017 in digitaler Form veröffentlicht unter:
Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Notes on dreams: absurdity, déjà vu, and principles], holograph manuscripts with photocopies
https://www.loc.gov/item/mss3999002118/ [2022-03-08]

Eine erste diplomatische Transkription von Marion Palmedo aus 1985 findet sich auf Seite 59 in: Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Unidentified fragments], holograph manuscript and typed transcripts
https://www.loc.gov/item/mss3999002121/ [2022-03-08]

II

Theorie v Hervey

Alle Träume leiten sich von einem oder beiden
folgenden Principien ab, oder von beiden:

  1. „Déroulement naturel et spontané d’une
    chaine continue de réminiscence.”
  2. Intervention subite d’une ideé étrangère
    à celles qui formèrent la chaine, par suite
    de quelque cause physique accidentelle.”

p148 Ein drittes Element, das zur Traumbildung
beitragen kann, ist die Thätigkeit des
Willens während des Schlafes.

[Editorische Anmerkung
Zu Hervey siehe GW 2, Seite 13, 27, 64

Übersetzung der französischen Passage:
1) „Natürliche und spontane Entfaltung von einer
kontinuierlichen Erinnerungskette.“
2) Plötzliches Eingreifen einer fremden Idee an diejenigen, die die Kette bildeten, als Ergebnis einer accidentellen körperlichen Ursache.]

Das Faksimile wurde 2017 in digitaler Form veröffetlicht unter:
Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Notes on dreams: absurdity, déjà vu, and principles], holograph manuscripts with photocopies
https://www.loc.gov/item/mss3999002118/ [2022-03-08]

Eine erste diplomatische Transkription von Marion Palmedo aus 1985 findet sich auf Seite 61 in:
Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Unidentified fragments], holograph manuscript and typed transcripts
https://www.loc.gov/item/mss3999002121/ [2022-03-08]

III

Man hat im Traum häufig die Empfindung:
Das habe ich schon einmal geträumt, und es
ist nicht abzuweisen, daß wie Maury meint,
ein Teil eines Traumes aus einem früher
vorgefallenen, aber vergessenen Träume  
herrühren kann, so daß ein Traum, dessen
Erinnerung man im Wachen nicht besaß,
in einem anderen Traum erinnert
werden könnte.

Vaschide 237. 283 Autosuggestion

 

[Editorische Anmerkung
Zu Vaschide siehe GW 2, Seite 11, 13f

Zu Maury siehe GW 2, Seite 13]

Das Faksimile wurde 2017 in digitaler Form veröffetlicht unter:
Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Notes on dreams: absurdity, déjà vu, and principles], holograph manuscripts with photocopies
https://www.loc.gov/item/mss3999002118/ [2022-03-08]

Eine erste diplomatische Transkription von Marion Palmedo aus 1985 findet sich auf Seite 61 in:
Sigmund Freud Papers: Oversize, 1859-1985; Writings; Undated; [Unidentified fragments], holograph manuscript and typed transcripts
https://www.loc.gov/item/mss3999002121/ [2022-03-08]

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